Interviews

Tim Wallburger im Interview: "Meine Test´s waren noch nie so gut!"

Das Webteam von Tim Wallburger sprach am 27. Februar 2012 mit dem gebürtigen Dresdner über seine Vorbereitung auf die Jahreshöhepunkte mit Olympiaqualifikation. 

Hallo Tim: Genau heute in fünf Monaten werden die Olympischen Spiele in London eröffnet!
Tim Wallburger:
Ja, ich weiß :-)

Gestern bist Du aus dem Trainingslager auf Teneriffa zurück gekommen, nachdem Du Anfang des Jahres drei Wochen in der Höhe der Sierra Nevada in Spanien und dazwischen bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften gestartest warst. Wie geht es Dir?
Tim Wallburger:
 Sehr gut. Die Trainingslager waren zwar verdammt hart, aber die Stimmung und das gesamte Umfeld waren nicht zu toppen. Die Ergebnisse meiner letzten Test´s sind ein schöner Lohn für die endlosen Trainingskilometer  im Wasser und schweißtreibenden Stunden im Athletikraum. Noch nie hatte ich solche Ausgangswerte wie in diesem Jahr!

Vom 9. bis 11. März wird es in Magdeburg zum ersten Male richtig zur Sache gehen in diesem Jahr, denn die EM-Qualifikation steht an. Ist die EM-Teilnahme ein Ziel für Dich?
Tim Wallburger:
 Auf jeden Fall, denn der Weg nach London kann auch für mich über Debrecen führen als zweite Olympia-Qualifikationsmöglichkeit. Für Magdeburg habe ich über 200 und 400m Freistil sowie 400m Lagen gemeldet. Schön wäre es, wenn ich mich über 200m Freistil und 400m Lagen für die EM qualifizieren könnte. Wir haben Staffelsilber zu verteidigen und auf der langen Lagenstrecke will ich in Ungarn die Olympianorm angreifen.

Wie geht es nach Magdeburg weiter?
Tim Wallburger:
Danach fliegen wir wieder in die Höhe nach Spanien und nach einem kurzen Zwischenstopp in Berlin zurück nach Teneriffa. Naja und danach werde ich sehen, ob sich die ganze Mühe gelohnt hat. Bis zu den Deutschen Meisterschaften fallen auch noch einige Pfunde vom Wettkampfgewicht und einige Hundertstel bei meinen Wenden, damit mein Trainer endlich Ruhe gibt :-) 

Hast Du Dir mit Deinem Trainer schon Gedanken gemacht, welche Strategie zu wählen ist, um das Olympiaticket zu lösen?
Tim Wallburger:
Viel zu überlegen haben wir Schwimmer ja nicht - jeder hat so seine Hauptstrecken. Die 200m Freistil sind bei mir gesetzt, sowohl bei den Deutschen wie auch hoffentlich zur EM. Natürlich möchte ich es in die olympische  Königsstaffel der 4x200m Freistil schaffen. Aber gerade hier wird es verdammt eng und Du bist auch schnell raus bei der Menge an guten Kraulern in Deutschland. Die 400m Lagen sind eine Option - vielleicht auch die 400m Freistil. Über 200m Schmetterling möchte ich gern meinen DM-Titel verteidigen. Die Olympianorm liegt ja wieder unter dem deutschen Rekord von Michael Gross. Im letzten Jahr fehlten mir hier zwei Sekunden!

Wir danken Dir Tim und sprechen uns nach Deinem Magdeburger Auftritt wieder.

Olympische Spiele 2012: Training und Wettkämpfe für ein großes Ziel

Knapp eine Woche vor dem Start der Deutschen Kurzbahnmeisterschaften im November 2011 haben wir uns wieder mit Tim Wallburger getroffen.

Tim, dieses Interview haben wir tituliert mit "Olympische Spiele 2012 - Training und Wettkämpfe für ein großes Ziel". Um etwas anderes geht es ja in dieser Saison nicht, oder?
Tim Wallburger:
Nachdem ich in den letzten beiden Jahren EM- und WM-Luft schnuppern durfte, möchte ich natürlich gern auch in London dabei sein. Ein größeres Ziel kann ein Sportler nicht haben und es ist auch mein Traum, welcher sich erfüllen soll, klar!

Wie ist Deine Saison angelaufen?
Tim Wallburger:
Sehr gut! Ein erstes Höhentrainingslager und die Weltcupteilnahme in Berlin habe ich gut überstanden. Das Training ist sehr hart, aber ich bin bei bester Gesundheit und die Tests zeigen, dass ich schwimmerisch auf einem guten Weg bin. Vor allem die 1:55er Zeit über 200m Schmetterling in Berlin, voll aus dem Training heraus, motivieren ungemein.

Im vergangenen Jahr konntest Du in Wuppertal den Grundstein für Deinen Vizeeuropameisterschaftstitel legen. Willst Du diesen EM-Titel verteidigen?

Tim Wallburger: Auf jeden Fall werde ich versuchen, schon bei den Deutschen an die Zeit in Eindhoven ran zu kommen. Vor der Kurzbahn-EM 2010 hatte ich ja einen Lehrgang bei meinem Arbeitgeber Bundeswehr und war nicht so gut vorbereitet, wie heute. Mein Ziel in Wuppertal heißt, wieder Deutscher Meister zu werden, denn dann brauche ich nicht auf die EM-Norm zu schauen. Ansonsten möchte ich in der Schwimmoper gute Zeiten schwimmen - werde auch über 400m und 200m Lagen, 200m Freistil sowie 100m Schmetterling starten.

Wie geht es weiter nach Wuppertal und eventuell der Kurzbahn-EM Anfang Dezember?
Tim Wallburger:
Danach fliege ich noch vor Weihnachten zu einem Wettkampf in St. Petersburg. Über die Feiertage kämpfe ich mit aller Macht gegen eine Gewichtszunahme.

Nach der WM in Shanghai hat sich auf Facebook eine große Gruppe gebildet, die über ein besseres Schwimmen im DSV diskutiert. Was sagst Du dazu?
Tim Wallburger:
Ab und zu schaue ich dort vorbei. Prinzipiell finde ich es gut und richtig, wenn wir uns alle Gedanken machen über die Zukunft unseres Sports. Die Welt schläft nicht, die Medaillen hängen sehr weit oben! Doch meinen Job muss ich selbst machen mit meinem Trainer an der Seite. Alles was dazu beiträgt, mich und unsere Nationalmannschaft noch besser zu unterstützen - vor allem im Umfeld und vor großen Meisterschaften - motiviert zusätzlich! 

Es ist in der Schwimmszene auch kein Geheimnis mehr. Du bist mit der Leipziger Schwimmerin Lisa Graf mehr als nur freundschaftlich verbunden.
Tim Wallburger:
Das stimmt und wir beide genießen jeden Augenblick der Zweisamkeit. Ansonsten ist diese Baustelle eine reine Privatsache und für die Schwimmszene sowieso Nebensache!

 

Das war die Schwimm-WM 2011 in Shanghai: Tim Wallburger im Interview

Nach dem Finale der 4x200m Freistilstaffel stehen Paul Biedermann, Tim Wallburger, Christoph Fildebrandt und Benjamin Starke (v.l.n.r). im ARD-Interview Rede und Antwort zum vierten Rang.

Der Dresdner Schwimmer Tim Wallburger (SG Neukölln Berlin) startete bei den 14. FINA Schwimmweltmeisterschaften vom 24. bis 31. Juli 2011 in Shanghai über 200m Freistil und in der 4x200m Freistilstaffel. Seine Familie, Freunde, Vereinsmitglieder und Sponsorenpartner verfolgten die spannenden Wettbewerbe. Presse, Rundfunk und Fernsehen waren hautnah dabei. Sie alle sahen eine durchwachsene Leistung der deutschen Nationalmannschaft mit fünf dritten Plätzen der Beckenschwimmer, das Ausscheiden von Tim im Vorlauf um eine hundertstel Sekunde, die Zitterpartie der Königskrauler um den Finaleinzug nebst Rang vier nach großem Kampf einer personell umgewürfelten Staffel, die zwar gut, aber für eine Medaille eben nicht gut genug schwamm.

Als Tim Wallburger nach getaner WM-Arbeit am 2. August wieder in seiner Heimatstadt Dresden eintraf, hatten sich die Gemüter um die Formschwäche vieler DSV-Aktiven beim Saisonhöhepunkt längst noch nicht beruhigt. Endlich hatte Wallburger´s Webteam seinen WM-Starter vor sich, um die angestauten Fragen nach dem WIE WARS, WARUM und WESHALB oder WIE SIEHST DU DAS los zu werden! Tim Wallburger im Interview!

Tim, wir fangen mal vorsichtig an. Wie waren Deine beiden Flüge nach und von Shanghai?
Wallburger: 
Grausam, zu lange und zu eng, langweilig und fast ohne Schlaf! Beim nächsten Mal werde ich mir auf eigene Kosten mehr Platz buchen.

Wie gefällt Dir Shanghai?
Wallburger:
Dresden hätte dort als kleiner Vorort eine Bushaltestelle und Berlin als Außenbezirk vielleicht drei U-Bahnstationen! Den Stromverbrauch einer Nacht wüsste ich schon gerne, denn alles ist klimatisiert und jedes Haus macht nachts eine eigene Lichtshow. Der Straßenverkehr ist die Hölle und unter der Erde trifft man garantiert alle Einwohner auf einmal. Die Stadt erstickt im Smog und lähmt bei 35 Grad und gefühlter 100 Prozent Luftfeuchte jeden Gedanken an eine zweite Besichtigungstour. Shanghai wächst minütlich in Breite und Höhe. Die WM-Sportanlagen waren einzigartig.

Wie war das Essen?
Wallburger:
Erstaunlich gut. Mein Hauptgericht war Lammfleisch.

Fast alle DSV-Starter konnten nicht an ihre Leistungen von den Deutschen Meisterschaften anknüpfen. Die Medien haben ordentlich auf die Schwimmer eingeprügelt. Der Führungsstab - insbesondere Bundestrainer Lange - bemängelte zudem Eure fehlende Nervenstärke und Angriffslust. Wie siehst Du die Sache?
Wallburger:
Ich bin nicht der Typ Mensch, der jedem gesprochenen oder geschriebenen Wort der Medien nachjagt. Ich liebe meinen Sport und freue mich deshalb, wenn er große öffentliche Beachtung findet. Klar ist, die Medien brauchen die besonderen Geschichten im und außerhalb des Wasserbeckens. In Shanghai haben wir davon genug geliefert. Wenn wir gut sind, werden wir gefeiert, ansonsten bekommen wir eine auf den Deckel. Damit muss man leben können. Das Medaillenziel haben wir in der Anzahl knapp, in den Farben klar verfehlt. Der eine Aktive bekam Nervenflattern, ein anderer vergeigte den Finaleinzug durch einen schlechten Anschlag, viele waren einfach nicht in Topform und es war viel Pech im Spiel. Der Weltschwimmsport stellt sich immer breiter auf. In der Spitze geht es eng zu. Es muss einfach in den entscheidenden Minuten und Sekunden alles passen, wenn Du vorn landen willst. Wie auch immer, die WM ist Geschichte. Wir blicken alle schon auf Olympia - ohne Untergangsstimmung versteht sich!

Auf Druck des Fernsehens wurden die Deutschen Meisterschaften sieben Wochen vor Shanghai ausgetragen. Viele Trainer hatten bereits im Vorfeld mahnende Worte verkündet und auch die DSV-Spitze sieht in der Terminierung jetzt eine wichtige Begründung für das schlechte Abschneiden.
Wallburger:
Prinzipiell ist das richtig. Auch ich kann über sieben Wochen Spitzenleistungen nicht konservieren oder in dieser Zeit eine zweite Formkurve voll ausprägen. Allerdings war dieser Fakt lange bekannt und wir Schwimmer mussten mit unseren Trainern eine Strategie finden, damit umzugehen.

Aus Deinen Worten entnehmen wir, dass bei Dir wohl diese Strategie auch nicht voll aufging?
Wallburger:
Für die diesjährige Langbahnsaison hatte ich als wichtigste Zielstellung, vor den Olympiaqualifikationswettkämpfen unbedingt WM-Luft zu schnuppern. Ich möchte in London mit der Staffel um eine Medaille kämpfen und in ein Einzelfinale kommen. Unsere und meine Konkurrenten waren in Shanghai. Ich habe sie gesehen - bin gegen sie geschwommen. Dieses Ziel habe ich erreicht und ich weiß jetzt, dass wir und ich Chancen haben in London und ich weiß jetzt, dass eine WM genau so spannend und langweilig zugleich ist, wie jeder andere Wettkampf.

Also ringsum zufrieden?
Wallburger:
Nein, natürlich nicht! Ich wusste, dass ich die WM-Quali nicht mit links schaffe, zu stark ist das Teilnehmerfeld über die 200m Freistil in Deutschland. Paule (Anm.: Paul Biedermann) konnte die DM voll aus dem Training heraus schwimmen, um in Shanghai seine Maximalleistung abrufen zu können. Ich dagegen habe einige Tage getapert, um kein zu hohes Risiko einzugehen. Nach der DM war dann geplant, sofort wieder voll in das Training einzusteigen und dann vor Shanghai eine längere Taperphase einzulegen. Doch nach der DM wurde ich krank, konnte fast zwei Wochen nicht trainieren. Meine letzten Testwerte vor der WM waren zwar so schlecht nicht, aber mit denen vor der DM nicht zu vergleichen. Mit einer übelsten Laune bin ich nach Shanghai geflogen, weil ich wusste, Bestzeiten zur WM sind Utopie.

Ja, Bestzeiten gab es von Dir in Shanghai nicht zu sehen, aber so schlecht war Dein Auftritt dann doch nicht, oder?
Wallburger:
Stimmt, weshalb ich viel besser gelaunt wieder in Berlin gelandet war.

Vorlaufpech im Einzel und ein Staffelauftritt, wo wir als Zuschauer fast verzweifelt waren - kläre uns mal auf, bitte!
Wallburger:
Es ist natürlich ärgerlich, wenn nur ein Wimpernschlag am Halbfinale fehlt. Allerdings war die Zeit echt nicht gut. Ohnehin hatte ich die Vorläufe etwas schneller erwartet und war erstaunt, dass ich mit einer 48er Zeit so dicht dran war. Mit der Staffel war es auch nicht optimal gelaufen. Clemens Rapp war krank und wurde nach dem Vorlauf raus genommen. Benjamin Starke hatte einige Tage zuvor Magenprobleme und musste vor dem Staffelfinale noch im Einzel über 100m Schmetterling ran. Notdienst Christoph Fildebrandt hat seine Sache echt gut gemacht. Am Ende ein vierter Rang mit einer Zeit der 2010er EM-Silberstaffel in Budapest. Wir hätten in Bestbesetzung und Topform starten und noch einmal über uns rauswachsen müssen, um die Chinesen von Rang drei zu verdrängen. Es war einfach unter diesen Umständen nicht mehr drin!

Was sagst Du zu Britta Steffen mit ihrer WM-Flucht?
Wallburger:
Ich habe größten Respekt vor der Sportlerin Steffen und ich mag Britta als Mensch. Wir haben immer viel Spaß miteinander und ich freue mich auf ein Wiedersehen beim gemeinsamen Kochen und Training. Schwer zu sagen, wie ich an ihrer Stelle gehandelt hätte. Vielleicht so: Scheiße gelaufen, da musste jetzt durch - weiter schwimmen, eben im Halbfinale ausscheiden und die Medienhaue über sich ergehen lassen. Eine Woche nach der WM regiert wieder König Fußball und alles ist vergessen. Ich denke, so bleibt jetzt in ihrer Sportbiographie ein Ereignis kleben, welches ihr in guten und schlechten Zeiten immer mal wieder auf´s Brot geschmiert wird.

Wie geht es mit Dir jetzt weiter?
Wallburger:
Jetzt mache ich erst einmal einige Tage Urlaub - Hotel, Strand, Chillen mit meiner lieben Lisa. Danach trifft sich die Nationalmannschaft zum Lehrgang in Kienbaum, anschließend Höhentrainingslager in Spanien und Kurzbahnsaison.

Na dann wollen wir Dich nicht länger aufhalten. Wir haben natürlich noch viele Fragen auf unserem Zettel stehen, aber dazu wollen wir uns nach dem Saisonstart unterhalten. Ach so, eine Frage brennt noch beantwortet zu werden. In Dresden gibt es wieder bzw. immer noch Zoff um den Neubau der Schwimmhalle Freiberger Straße. Der Startschuss verzögert sich auf unbestimmte Zeit und weitere Leistungssportler verlassen die Elbestadt. Gern zitieren die regionalen Medien den Tim Wallburger zum Thema. Deine Antwort heute?
Wallburger:  
Was soll ich dazu noch sagen? Der Countdown bis zur Schließung der maroden Halle läuft. Für mich ist und bleibt es eine unterlassene Hilfeleistung der Stadt, Kindern das Schwimmen beizubringen und den Einwohnern ein Umfeld zu schaffen für eine gesunde Lebensweise. Dresden war einmal eine große Sportstadt mit der Kernsportart Schwimmen. Heute ist Dresden eine wunderschöne Stadt an der Elbe, wo immer mehr Menschen Gefahr laufen, darin als Nichtschwimmer zu ertrinken. Wenn ich genug Geld hätte, würde ich dazu eine teure Anzeigenkampagne starten.
 
 

 

Interview mit Tim Wallburger, Juni 2011: WM-Ticket gelöst!

Im schnellsten deutschen 200m Freistil-Rennen aller Zeiten qualifizierte sich Tim Wallburger von der SG Neukölln Berlin am letzten Tag der 123. Deutschen Meisterschaften im Schwimmen für die im Juli stattfindenden Weltmeisterschaften im chinesischen Shanghai. Das Web-Team unterhielt sich im Anschluss seines Laufes mit dem 21-jährigen gebürtigen Dresdner.

Tim, erst einmal unseren Glückwunsch zum gelösten WM-Ticket, erleichtert?
Tim Wallburger:
Natürlich! Die WM-Normen waren gigantisch, deshalb bin ich froh, über den Vizemeistertitel und die Staffelqualifizierung das Ticket geholt zu haben.

Alle vier Erstplatzierten über 200m Freistil schwammen unter 1:48,00 Minuten. Das riecht nach einer WM-Medaille?
Tim Wallburger:
Ja, mit meiner Zeit in 2010 wäre ich in diesem Jahr nur sechster geworden. Deutschland hat auf dieser Strecke eine Menge guter Leute unterwegs. Wer hier in die Staffel sich schwimmt, ist auch international vorn mit dabei. Nun ja, Medaille? Die Amerikaner, Russen, Chinesen und Australier - vielleicht auch noch die Franzosen - werden in Shanghai wohl die Medaillen mit uns ausfechten. Staffeln haben eigene Gesetze, da ist alles möglich. Wenn wir uns in Shanghai ähnlich wie zur EM in Budapest noch einmal steigern, ist alles möglich, auch Gold, wobei ich denke, dass China, Russland und die USA erst einmal die Favoriten sind.

Deine 1:47,61 min auf der 200m Kraulstrecke bedeuten derzeit Rang zehn der Jahresweltrangliste. Wie sieht es mit der Chance aus, auch im Einzelrennen zu starten?
Tim Wallburger:
Ja, die Option habe ich jetzt und ich denke, der DSV wird mich auf dieser Strecke melden. Die Vorläufe, Halbfinals und das Finale sind gleich zu Beginn der WM-Schwimmwoche. Wenn ich in Shanghai gut drauf bin, dann möchte ich mir einen großen Traum erfüllen, Finalteilnahme und neben Michael Phelps schwimmen. Das wäre für mich das Größte!

Bis zur 150m-Wende hattest Du Tuchfühlung mit Paul Biedermann. Auf den letzten 50 Metern hast Du aber über eine Sekunde auf ihn verloren. Geht da noch was drauf zu packen?
Tim Wallburger:
Bislang war ich eher bekannt dafür, ähnlich wie Paule auf der zweiten Streckenhälfte anzugreifen. Diese Taktik habe ich erst einmal aufgegeben und versuche vorn mitzugehen. Die 52,37 Sekunden zur Halbzeit des Rennens sind derzeit für mich das Maximum, wenn ich hinten nicht abkacken will. Bis zur WM werde ich mit meinem Trainer noch hart arbeiten, damit in Shanghai auf den letzten Metern noch was geht.

200m Schmetterling: Dein Rekordversuch, sprich Michael Gross aus der deutschen Rekordliste zu verdrängen, war am Ende dann nicht einmal ein Rekordversuchschen geworden. Was war los?
Tim Wallburger:
Im Vorlauf wollte ich schon mal angreifen, war aber auf den ersten 100 Metern einfach zu schnell. Im Finale passte nur die Zwischenzeit nach der ersten Bahn, danach ging alles schief. Ich weiß nicht, vielleicht hatten wir uns zu sehr unter Druck gesetzt. Nachts um drei war ich immer noch wach, es war heiß und ehrlich gesagt, hatte ich vor lauter Aufregung auch vergessen, viel zu trinken und mittags noch was zwischen die Kiemen zu nehmen. Wie auch immer, ich fühlte mich schlecht schon während des Rennens. Die Zeit auf der Anzeige war dann nicht mehr überraschend für mich.

200m Schmetterling in Shanghai?
Tim Wallburger:
Gern starte ich den Versuch noch einmal, aber die 200m Freistil sind meine Hauptstrecke dort und natürlich die Staffel. Mein Trainer, der DSV und ich werden die Entscheidung wohl kurzfristig fällen, denke ich.

Du hast mit dem WM-Ticket eine Wette einzulösen, haben wir gehört?
Tim Wallburger:
Wette ist wohl nicht die richtige Bezeichnung. In Lübbenau auf halber Strecke zwischen Berlin und Dresden gibt es das Spreewelten-Erlebnisbad. Durch Zufall war ich auf der Facebook-Seite gelandet und las, dass man dort mit richtigen Pinguinen schwimmen kann. Habe dort einen Eintrag hinterlassen - cool! Wir kamen ins Gespräch und am Ende die Idee, nach der WM-Teilnahme dort ein Wettschwimmen zu veranstalten. Die Damen und Herren hatten mir noch ein Plüschtier-Pinguin als Glücksbringer geschickt. Jetzt gibt es für mich wohl kein zurück mehr :-)

Danke Tim! Bleibe gesund und wir freuen uns auf Deine Vorstellung in Shanghai. Viel Glück!

Interview - März 2011: Drei Fragen an Tim

2010 konntest Du national wie auch international auf europäischer Ebene den Durchbruch schaffen. Wie soll es nun weiter gehen?
"So schön diese Erfolge auch waren - sie sind Schnee von gestern. Mein Trainings- und Wettkampfprogramm ist mittelfristig natürlich auf das Ziel Olympia 2012 ausgerichtet. Nach meiner EM-Teilnahme wäre es aber schön, 2011 auch erstmalig WM-Luft zu schnuppern."

Zur WM geht es nur über die Deutschen Meisterschaften Ende Mai/Anfang Juni in Berlin als einzige Qualifizierungsmöglichkeit. Auf welchen Strecken willst Du angreifen?
"Der DSV hat eine noch härtere Gangart bei den WM-Pflichtzeiten angekündigt. Als 200 und 400m-Schwimmer muss ich mich mit meinem Trainer zunächst erst einmal entscheiden, ob ich mich in Sachen WM-Quali auf ganz wenige Strecken konzentriere oder ich doch mein normales Programm bestreite. Ich habe die Qual der Wahl: 200m und 400m Lagen, 200 und 400m Freistil, 200m Delphin - ja auch die 100m Delphin sind nicht mehr ganz auszuschließen."

Und weiter?
"Klar die 200m Freistil sind gesetzt, denn hier kann ich mich auch für die WM-Staffel empfehlen. Gern möchte ich natürlich auch die 200m Delphin angehen, wobei ich mir erst einmal die WM-Pflichtzeit vom DSV ansehen muss. In den letzten Jahren kam kein DSV-Schwimmer in Sichtweite dieser Norm. Als Alternative wären hier die 400m Freistil zu nennen. Eine Lagenstrecke wird sicherlich dabei sein. Aber wie schon gesagt, für die genaue Programmplanung ist es heute noch zu früh."

Einladungsschwimmfest des SV Halle (2011)

Nach der geschwommenen Zeit von 2:00,47 min über 200m Delphin beim Einladungsschwimmfest des SV Halle im März 2011:
"Nicht nur diese Zeit hatten mich und meinen Trainer überrascht. Auch die 200m Freistil (1:50,08 min) konnte ich ziemlich locker ins Wasser bringen - und das voll aus dem Training heraus. Über die lange Delphinstrecke geht es mit meinen Leistungen echt gut voran. So langsam werde ich mir mal die Zeit des deutschen Uraltrekordes von Michael Groß aus dem Jahre 1986 einpaucken :-)"

Bundesliga Vor- und Endkampf (2011)

Nach dem Einsatz als Brustschwimmer für die SG Neukölln im Bundesliga Vor- und Endkampf (Langbahn DMS 2011) und seiner geschwommenen Zeit von 1:04,71 min über 100m Brust:
"Hoffentlich werde ich kein Brust-Spezialist :-)"

Kurzbahn-EM Eindhoven (2010)

Nach dem Gewinn der Silbermedaille über 200m Delphin (1:53,71 min) bei der Kurzbahn-EM in Eindhoven 2010:
"Ich fühlte mich erstaunlich gut im Wasser. Zuvor hatte ich durch den Bundeswehrlehrgang kaum trainieren können. Eine Woche hartes Training haben gereicht. Ich bin überglücklich!"

EM Budapest (2010)

Nach dem Gewinn der Silbermedaille mit der 4x200m Freistilstaffel und dem
9. Platz über 200m Freistil bei der EM in Budapest 2010:
"Meine erste EM-Teilnahme war für mich ein überwältigendes Erlebnis. Nun ja, auch die Interviews, die ich geben musste, habe ich überlebt :-) Dass es dann auch gleich für eine Medaille reichte ..."

Dresdner Morgenpost (2000)

In einem ganzseitigen Talentportrait der Dresdner Morgenpost im Jahre 2000 gefragt nach seinen Zielen als Sportschwimmer (kurz vor seinem 11. Geburtstag):
"Ich will einmal Weltrekord schwimmen!"

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